Das Dorf Kaule

Kaule im Jahr 2008

Das Dorf Kaule in Nepal (Südasien) ist seit 2008 Projektstandort und Namensgeber unseres Verein “Kaule e.V.”.

Karte von Nepal, Lage des Nuwakot District.

Karte von Nepal, Lage des Nuwakot District.

Der Ort Kaule liegt in den nepalesischen Midhills zwischen 1600 m und 1800 m Höhe am Rande des Kathmandu-Tals, 25 km nordwestlich von Kathmandu. Nachbarländer sind Indien und China. Kaule ist umgeben von steilen Hängen, aufgeteilt in landwirtschaftlich genutzte Terrassenfelder. In Sichtweite liegt das Himalaya-Gebirge.

Im Jahr 2010 leben in Kaule 898 Einwohner in 143 Haushalten. 

Das Dorfentwicklungskomitee “VDC Kaule” (Village Development Committee) verwaltet das Dorf Kaule. Es gehört zum Nuwakot District mit 61 VDCs in der Central Development Region (Nepal Zonen mit Baghmati Zone).

Das Klima in Kaule ist subtropisch. Von November bis April herrscht Trockenzeit, von Juni bis August wütet der Monsun. Die Menschen kämpfen mit heftigen Überschwemmungen und starker Bodenerosion.

Große Gefahr geht von Erdbeben aus. Im April und Mai 2015 zerstörten sie nahezu das ganze Dorf Kaule und hinterließen Tote, Verletzte und Obdachlose. Nach den Beben gefährden nachfolgende Hangrutsche die Dorfbewohner. (Foto mit zerstörtem Haus)

An Landbesitz haben die Familien nur wenige, zumeist kleine Terrassenflächen, die sie zum Anbau ihrer Produkte nutzen. Von Generation zu Generation verkleinern sich die Terrassen, da sie traditionsgemäß an die Söhne vererbt werden.
Nur knapp können die Familien ihre Grundbedürfnisse mit den Ernteerträgen sichern. Sie sind häufig auf ergänzende Einnahmen durch Tagelöhner-Tätigkeit angewiesen, denn im ländlichen Bereich gibt es keine Alternativen. Die Landbevölkerung verarmt und die Menschen sehen sich zunehmend gezwungen, in die Städte abzuwandern in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen.

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Konventionelle Landwirtschaft

Der größte Teil der Landwirt-Familien im Dorf Kaule baut ausschließlich das an, was sie zum Leben brauchen. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt, bis auf wenige Ausnahmen, mit “subsistenzwirtschaftlicher  Landwirtschaft”. Zusätzlich halten sie eine kleine Anzahl Vieh, insbesondere Rinder, Ziegen, Enten und Hühner.

Landwirt Jas Ram Tamang hat als einziger Landwirt im Dorf vor vielen Jahren nebenberuflich einen Agroforst-Betrieb aufgebaut und inzwischen, dank guter Ernte- und Einkommenserträge, für seine Familie einen höheren Lebensstandard erreicht.

Der Anbau aller anderen Landwirte ist konventionell:

Bodenerosion im Dorf Kaule.

Bodenerosion in einem Terrassenfeld in Kaule

  • In Monokulturen legen die Bauern Reis, Mais und Hirse, in kleinem Umfang weitere Feldfrüchte, Erdbeeren und Tomaten an. Die Pflanzen wachsen überwiegend in sandigen Böden und in Lehmböden, die nur geringen Humusgehalt aufweisen und leicht austrocknen. 
  • Ihre Böden sind “sauer”, d.h. sie haben einen niedrigen ph-Wert. Die gesamte Ernte der Landwirte ist Schädlingsinsekten und starken Unwettern schutzlos ausgeliefert. Dadurch ist die Vielfalt der Nutzpflanzen sehr gering. 
  • In der Regen- und Monsunzeit (Juni bis September) sind die Böden der Erosion ungeschützt ausgesetzt, werden stark ausgeschwemmt und verlieren Nährstoffe.
    Vormals ebene Terrassen werden zusammengelegt zu geneigte Felder, was die  Bodenerosion noch verstärkt.
  • In der Trockenzeit (November bis April) liegen die Böden der Landwirte brach, vertrocknen und verarmen an Nährstoffen. Da kein Wasser zur Bewässerung mehr zur Verfügung steht, können sie nichts anbauen. Die Versorgung der Familie ist nicht mehr gewährleistet.
  • Zur Bodendüngung und Schädlingsbekämpfung setzen die Landwirte intensiv künstliche Düngemittel, wie Pestizide und Mineraldünger, ein. Die Folge ist starke Bodenerosion. Giftstoffe der Pflanzenschutzmittel und Reste der künstlichen Düngemittel werden in die Umwelt gespült. Sie überdüngen die Böden und gefährden die Wasserqualität hangabwärts gelegener Bereiche.
  • Insgesamt wird die Umwelt durch den Anbau in Monokulturen erheblich belastet.
  • Der Wasserhaushalt wird gestört und die Vielfalt von Pflanzen und Tierarten, u.a. Insekten,  beeinträchtigt.

Die körperliche Arbeit der Landwirte ist sehr anstrengend. Frauen und Kinder tragen oft in schweren Kiepen das Grünfutter für Büffel und Ziegen über weit entfernte Waldstücke oder Weg- und Feldränder bis zum Stall. Sie leiden gesundheitlich unter dieser Belastung.

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Lösungsansatz

Ein erster Schritt zur Lösung der Probleme in der konventionellen Landwirtschaft ist, die Nahrungsproduktion auf den vorhandenen Landflächen zu erhöhen. Die Landwirte können das  nachweislich erreichen, indem sie alternative Anbau- und Kultivierungsmethoden der Agroforstwirtschaft anwenden. Eine Vergleichsstudie diverser Böden und eine Langzeit-Studie dazu belegen:

Die Agroforstwirtschaft hat das Potenzial, die verarmten Böden mit Nährstoffen so anzureichern, daß auf längere Sicht eine Erhöhung der Ernteerträge zu erwarten ist. 

Im Lebens- und Naturraum des Dorfes Kaule ist eine Umstellung der Landwirtbetriebe auf Agroforstwirtschaft  gut erreichbar. Das beweisen die ganzjährigen Ernten des Landwirt Jas Ram Tamang. Sein Pioneerbetrieb der Agroforstwirtschaft könnte seinen Nachbarn Anstoß geben, ihre Betriebe umzustellen und sie motivieren, die mindestens 3-jährige Aufbauzeit bis zur ersten Ernte durchzuhalten.

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Diese Seite wurde aktualisiert: 2018-05-24.

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